Teams im Motivationsloch: In Krisensituationen Verantwortung übernehmen

Der BVB kennt sowohl die Hoch- als auch die Tiefphasen. Von Insolvenznähe bis zum Meistertitel war schon alles dabei. Heute bereitet der letzte Tabellenplatz Sorgen. Und Jürgen Klopp wird angezählt. Zum (absurden) Umgang mit Erfolg und Misserfolg im Sport und im Beruf.

Wir leben in einer Welt, in der alles analysierbar und auf Knopfdruck lösbar scheint. Läuft es im Sport nicht erwartungsgemäß, erwarten wir durch einen Trainerwechsel sofortige Erfolge. Plagt uns eine Krankheit, erwarten wir von der Medizin eine Pille, die uns sofort wieder gesund macht. Läuft es im Job nicht rund, erwarten wir zwei, drei Handgriffe, damit Umsatz und Gewinn wieder positiv sind.

Wir leben im „Instant-Zeitalter“. Alles muss so schnell lösbar sein, wie die Zubereitung einer Instant-Tomatensuppe. Aber so einfach ist die Welt nunmal nicht.

Vergehen und Entstehen

Vor rund 10 Jahren stand der BVB kurz vor der Pleite. In den Folgejahren produzierte der Verein sportliches Mittelmaß. Ein tiefes Tal der Tränen. In diesem dunklen Tal übernahm Jürgen Klopp das Ruder. Und hatte es vermeintlich leicht.

Denn wenn es fast gar nicht mehr schlechter laufen kann, besteht viel Raum, Neues auszuprobieren. Die verantwortlichen Personen bangen und hoffen, dass Klopp das Ruder in die richtige Richtung herumreißt. Dazu sind sie zu vielen Kompromissen bereit. Klopp erhält viel Vertrauens-Vorschuss und man lässt ihn machen.

So drehte Klopp die Mannschaft von links nach rechts. Im Fokus: die radikale Verjüngung der Mannschaft. In der Saison 2010/11 war fast kein Stammspieler älter als Mitte Zwanzig. Es konnte alles nur noch besser werden. Und es wurde auch besser.

Erfolgs-Serien, Vizemeister, DFL-Supercup, schuldenfrei und über 50 Millionen Euro Gewinn. Die Erfolge verliehen dem BVB neuen Glanz.

Fataler Trugschluss

Warum pilgern Hunderttausende zu den Spielen der Bundesligains Stadion? Weil sie vorher nicht wissen, wie das Spiel ausgeht. Gerade das macht die Spannung aus.

Doch wenn ein Verein überdurchschnittliche Erfolge hat, kommt es schnell zu einem Trugschluss. Nicht die Spannung zählt, sondern man gewöhnt sich an den Erfolg. Schlimmer noch: man erwartet ihn.

Der BVB erlebt das derzeit am Tabellenende. Aber auf Platz 1 sieht es nicht besser aus. Auch der FC Bayernspürt die Folgen des „Instant-Zeitalters“. Nachdem die Mannschaft zwei Spiele in Folge nicht gewonnen hatte, regten sich bereits die Gemüter. Schnell sind die vorherigen Erfolge vergessen. Es muss doch möglich sein, mal mindestens 365 Tage am Stück ungeschlagen zu sein.

Doch es gibt keine Erfolgs-Garantie. Auch Fußball ist ein Naturprodukt, da er von Menschen gespielt wird. Von der Müsli-Packung wissen wir: die Qualität unterliegt natürlichen Schwankungen. So ist es auch beim Sport. Wie die Jahreszeiten wechseln sich Erfolg und Niederlage ab.

Auch im Beruf gilt: Wahrheit ist eine Linie

Im Business sieht es ähnlich aus. Die Börse hat regelmäßig ihre Hoch- wie ihre Tiefzeiten. Unternehmen erleben bahnbrechende Erfolge — und stehen auf einmal kurz vor dem Abgrund. Manche bekommen wieder die Kurve (Apple), andere gehen unter (Polaroid) oder überleben nur durch den Verkauf (Nokia). Und auch die persönliche Karriere verläuft selten als ein gerader Weg bergauf. Manchmal erinnert sie eher an eine Achterbahnfahrt.

Wenn es nicht gut läuft, gibt es zwei Möglichkeiten:

Wahrheit 1: Man macht Druck und fordert den Erfolg ein. Alle Register der Macht werden gezogen. Man will keine Erklärungen und Ausreden hören, sondern Lösungen sehen. Zwei, drei Stellschrauben identifizieren, daran drehen und - zack - schon ist der Erfolg wieder da. Druck wird gleichgesetzt mit Geschwindigkeit.

Wahrheit 2: Man geht bedachter an die Sache ran. Heißt: hart in der Sache, fair zum Menschen. Es wird in Ruhe analysiert, was los ist. Es werden im Team mögliche Lösungen diskutiert. Und dann arbeitet man kontinuierlich an der Verbesserung und gibt dem Erfolg die nötige Zeit. Denn wenn es nicht rund läuft, stehen die beteiligten Personen sowieso schon unter Druck. Man muss ihnen ja nicht sagen, dass es gerade blöd läuft. Jeder weitere Druck sorgt eher für Denk- und Handlungsblockaden, anstatt das Schiff wieder auf Kurs zu bringen.

Der Fisch stinkt vom Kopf - die vier schlüssel zum erfolg

In solchen Krisen kommt es also entscheidend auf die Führung an. Und Führung bedeutet vor allem Klarheit. Dazu vier bewährte Stellschrauben für Ihren Erfolg.

Wir brauchen ein klares Ziel - einen Horizont, der das Team anzieht und motiviert. Einen Horizont, der klar ist. Und den jeder versteht. Bereits hier scheitert es in vielen Teams. Es gibt entweder zu viele Ziele. Oder sie ändern sich andauernd. Oder es ist überhaupt nicht klar, was die Ziele sind. Untersuchungen zeigen immer wieder, dass nur 15% der Mitarbeiter die Top-Prioritäten eines Unternehmens benennen können.

Führung bedeutet auch gute Kommunikation. Ziele sollten demokratisch erarbeitet - und diktatorisch umgesetzt werden. Meistens sieht es jedoch anders aus.

Ziele werden von „oben“ diktatorisch festgelegt - und in der Umsetzung wird man auf einmal demokratisch. Das kennen wir alle aus dem Privaten: man entscheidet diktatorisch, dass im Januar wieder mit Sport angefangen wird. Mindestens 3x die Woche. In der Umsetzung wird man nach vier Wochen jedoch demokratisch: Heute Abend nicht, weil der Tag so anstrengend war. Am Wochenende nicht, weil das Wetterso schlecht ist oder wir lieber faul auf dem Sofa hängen.

Damit wir motiviert sind, uns anzustrengen, brauchen wir ein Feedback, ob wir auf dem richtigen Weg sind. Meistens werden jedoch dazu die falschen Dinge gemessen. Was nutzt es, den Umsatz zu messen? Das Vertriebsteam weiß dann am Jahresende, ob es sein Ziel erreicht hat oder nicht. Viel schlauer ist, die Aktivitäten zu messen, die uns im Jahresverlaufzum Ziel führen. Also zum Beispiel die Anzahl von Kundengesprächen pro Woche. Was nutzt es, Ihr Gewicht zu messen, wenn Sie abnehmenwollen? Dann wissen Sie am Jahresende, wo Sie stehen. Schlauer ist, die Anzahl Ihrer sportlichen Trainings pro Wocheoder die täglichgegessenen Kalorienzu messen.

Der entschiedenste Faktor ist jedoch: Am Ball bleiben. Sie kennen das: Ihr Kind hatte in Englisch eine 5 auf dem Zeugnis. Das soll besser werden. Sie vereinbaren, jeden Samstag mit Ihrem Sohn Vokabeln zu üben. Die ersten vier Wochen laufen super. Dann sind Sie an zwei Samstagen verhindert, weil Sie zum Beispiel im Stadion mit Ihrem Verein fiebern. Abends fragen Sie, ob er Vokabeln gelernt hat. Und die Antwort ist: „Ich dachte, wir machen das nicht mehr…“

Wenn Sie Ihr Ziel klar haben, es im Team kommuniziert ist und Sie die Messkritieren festgelegt haben, brauchen Sie einen regelmäßigen Follow-Up. Treffen Sie sich jede Woche für 20 Minuten. Besprechen Sie, was die Aktivitäten der letzten Woche waren - wie erfolgreich sie umgesetzt wurden - und was die Aktivitäten für die kommende Woche sind. Bleiben Sie am Ball. Fassen Sie nach. So bekommen Sie die PS auf die Straße. Und bringen das Schiff - Schritt für Schritt - wieder auf Erfolgskurs.

Der Fischstinkt immer vom Kopf. Also seien Sie ein gutes Vorbild. Sorgen Sie für Klarheit. Damit der Fisch erst gar nicht zu stinken anfängt.