Schwierige Gespräche - An welchen Orten Kritik tödlich ist

Ob zu Hause oder im Büro: Oft achten wir wenig auf die Umgebung, wenn wir unangenehme Nachrichten zu überbringen oder Kritik üben. Das ist ein Fehler. Denn Orte haben ein Gedächtnis.

Wenn uns etwas mal nicht passt, preschen wir gerne mal direkt mit der Kritik vor. Dabei spielt es keine Rolle, wo wir unseren Gesprächspartner gerade erwischen. Der Haken an der Sache ist: Orte haben ein Gedächtnis. Wenn Sie von sich beziehungsweise Ihren Kollegen Spitzenleistung wünschen, sollten Sie sich das bewusst machen.

Orte haben ein Gedächtnis

Denken Sie mal an folgende Situationen: Hochzeit– Führerscheinprüfung – 11. September. Wo waren Sie während dieser Ereignisse? Was passiert, wenn Sie an einen dieser Orte zurückkehren? Wie gut können Sie sich dann an vergangene Details und Gefühle erinnern?

Genauso ist es auch im Büro. Wir wollen an unserem Arbeitsplatz Spitzenleistung bringen. Wenn nun der Chef reinkommt und uns mit Kritik versorgt, ist das wie ein Schlag in die Niere. Der Arbeitsplatz ist nun offen für Überraschungen. Wir wissen, dass uns nun auch hier unangenehme Situationen widerfahren können. Also sind wir in einer permanten Hab-Acht-Haltung: Kommt da gerade Freund oder Feind in mein Büro?

Die Lösung – schwere Kritik an besonderen Orten

Wir wollen uns jedoch auf unsere Arbeit konzentrieren und nicht permanent die nächste böse Überraschung erwarten. Deswegen machen Sie sich bewusst, wo Sie dem Kollegen Ihre Kritik mitteilen. Ich meine nicht das tagtägliche Feedback zu Projekten oder Arbeitsergebnissen. Viel wichtiger sind die gravierenden Kritiken: Vertriebszahlen liegen hinter Plan, das katastrophale Verhalten bei einer Präsentation bis hin zur Übermittlung einer Abmahnung.

  1. Führen Sie das Gespräch nicht am Arbeitsplatz. Wählen Sie stattdessen einen neutralen Ort, zum Beispiel. den Konferenzraum. So sorgen Sie dafür, dass Ihre Mitarbeiter wissen: Gespräche am Arbeitsplatz sind immer positiv. Wenn es etwas Heikles gibt, trifft man sich im Konferenzraum.
  2. Wenn Ihnen der Mitarbeiter am Herzen liegt und das Thema sehr schwerwiegend ist, können Sie für das Gespräch sogar das Bürogebäude verlassen. Wir haben Unternehmer erlebt, die bei solch kritischen Themen das Gespräch in einem externen Konferenzraum oder in einem Restaurant geführt haben. Damit war das Problem außerhalb des Büros. Danach können Sie wieder zurück ins Büro gehen, um an der Lösung zu arbeiten.

Werden Sie kreativ. Hauptsache, Sie verseuchen nicht den Arbeitsplatz des Kollegen mit unangenehmen Erinnerungen.

Heikle Botschaften zu Hause

Dieses Thema ist zu Hause wahrscheinlich noch viel wichtiger. Eine unserer Seminarteilnehmerinnen erzählte während einer Veranstaltung, dass ihr 16-jähriger Sohn sich abends in sein Zimmer zurückzog, um alleine dort zu essen. Er wollte einfach nicht mit am Esstisch sitzen.

Der Esstisch ist einer der letzten Orte, an dem sich Familien noch vollständig und regelmäßig treffen. Deswegen wird dieser Ort auch gerne dazu genutzt, die heiklen Themen des Tages zu diskutieren. Wenn der Vater von der Arbeit nach Hause kommt, erzählt ihm seine Frau zum Beispiel von dem frechen Verhalten des Sohnes oder der 5 in Mathe. Kaum sitzt man dann gemeinsam beim Essen, geht die Verbalattacke in Richtung Teenager los. Orte haben ein Gedächtnis – der Teenager verbindet den Esstisch mit den ganzen negativen Gesprächen. Kein Wunder, dass er zum Essen lieber in sein Zimmer geht.

Achten Sie also darauf, dass Sie beim Essen nur neutrale oder positive Themen besprechen. Wenn es etwas zu kritisieren gibt, verschieben Sie es auf die Zeit nach dem Essen und wechseln Sie den Ort. Setzen Sie sich zum Beispiel aufs Sofa. Es kann dann sein, dass der Teenager beim Fernsehen lieber auf dem Boden sitzt. Aber Sie haben ihn dafür beim Abendessen dabei.