Gute Beziehungen entstehen am Horizont

Ich dachte mir: „Wow, dich will ich wiedersehen“ – sie hingegen: „Dem geb ich ganz sicher nicht meine Nummer!“ Ja, so lernte ich damals meine Frau kennen. Sie – eine starke Persönlichkeit mit vor Lebendigkeit strahlenden Augen – wusste, was sie vom Leben möchte. Sie hatte ein klares Ziel im Blick. Ich? Hatte hingegen noch keinen wirklichen Plan für die Zukunft.

Da merkte ich erst, wie schwer es ist, wenn zwei so unterschiedliche Welten aufeinandertreffen. Wenn die Vorstellungen vom Leben und die Pläne für die Zukunft nicht übereinstimmen. Und da ist es egal, ob Sie sich im beruflichen oder privaten Umfeld bewegen. Haben die Partner unterschiedliche Ansichten, wird das Zusammenleben oder die Zusammenarbeit auf eine harte Probe gestellt.

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt

Natürlich kommt es heutzutage immer seltener vor, dass die Lebens-, Berufs- oder Projektpläne zweier Menschen exakt übereinstimmen. Auch ich wusste zum Zeitpunkt unseres Kennenlernens damals noch nicht, ob ich eine Familie, eine Ehe oder mit dieser Frau bis zu meinem Lebensende zusammen sein wollte. Diese Unsicherheiten und Unterschiede sind normal. Wir leben schließlich in einer hektischen und sich schnell ändernden Welt, die uns alle Möglichkeiten eröffnet. 

Durch diese Schnelllebigkeit verlieren viele Menschen das auf ihrem Radar, was wirklich wichtig ist: Beziehungen. Sie investieren die Zeit nicht mehr, die notwendig wäre, um Beziehungen am Leben zu erhalten und Vertrautheit aufzubauen. Schaffen wir keine Vertrautheit, laufen wir Gefahr, uns auseinanderzuleben, da jeder eine andere Vorstellung, andere Pläne, oder eben überhaupt noch keine klaren Ziele vor Augen hat.

Diese Klarheit hatte ich damals noch nicht und heiratete meine Frau dennoch. Sie war damals schon so viel weiter als ich und liebte mich für die verborgenen Potenziale, die sie in mir sah, und nicht ausschließlich für das, was bereits sichtbar war. Und so fing ich an zu lernen, dass auch ich etwas für eine gute Ehe tun muss. Dabei habe ich für mich gemerkt: Um miteinander leben oder arbeiten zu können, braucht es keinen 100 Prozent deckungsleichen Horizont. Es reicht aus, wenn sich die Horizonte an den entscheidenden Stellen überschneiden.

Am Anfang steht das große Aber

Ich kann mir gut vorstellen, was Sie nun denken: Aber wie soll das funktionieren? Wenn sich ein Mensch mit klaren Zielen und konkreten Plänen für sein Leben auf einen Menschen einlässt, der planlos durch die Gegend irrt – das kann doch nicht gut gehen! Natürlich ist es am Anfang nicht einfach. Und natürlich können in dieser privaten oder geschäftlichen Beziehung sehr leicht Gefühle verletzt und Erwartungen enttäuscht werden. Vielleicht fällt es den Beteiligten am Anfang schwer, sich zu öffnen und ihre ehrliche Meinung zu sagen. Aber dann gleich denken „Das war’s – nächster“?

Nein! Denn alles, was gut werden soll, braucht Zeit und eine ordentliche Portion Hartnäckigkeit. Auch ich musste meine Frau zweimal ansprechen, bevor sie mir ihre Nummer verriet, und bis zu unserem Wiedersehen hat sie mich ganz schön lange warten lassen. Aber es hat sich gelohnt!

Für mich steht meine Ehe heute im Zentrum meines Horizonts. Wir sehen unsere Beziehung als ein Kunstwerk, das mit viel Respekt und Vertrauen jeden Tag um ein neues Einzelteil ergänzt wird. Wir lernen uns jeden Tag ein bisschen besser kennen, da wir beide diese Beziehung wollen und ihr einen wichtigen Stellenwert an unserem jeweiligen Horizont beimessen. Es gibt kein „aber“ mehr, es funktioniert.

Das Licht am Horizont

Die Beziehung zu meiner Frau und die Vertrautheit zwischen uns erinnert mich immer wieder aufs Neue daran, wie wichtig auch Beziehungen in anderen Lebensbereichen sind. Zum Beispiel gute Geschäftsbeziehungen oder die Beziehungen im Freundeskreis. 

Welche Beziehungen wichtig sind, verrät mir meine innere Stimme. Sie sagt mir, welche einen Platz an meinem Horizont verdient haben. Und Gast auf irgendwelchen Partys zu sein, mit stupidem Smalltalk und sechzig neuen Gesichtern, an die ich mich morgen eh nicht mehr erinnern kann, davon rät meine innere Stimme mir deutlich ab.

Die Antwort darauf, welche Beziehungen an Ihrem Horizont stehen sollten, können Sie sich nur selbst geben. Es ist jedoch egal, ob Lebens-, Ehe- oder Geschäftspartner, Chef, Kollege oder Freund. Das Entscheidende, das Sie brauchen, sind gemeinsame geteilte Horizonte! Dann wird es zwar (hoffentlich) auch noch konstruktive Auseinandersetzungen geben, in denen Sie sich nicht mehr in die Augen schauen. Aber Sie schauen dabei wenigsten in die gleiche (Horizont-) Richtung.