Superreichensteuer: Wer mehr fordert, muss besser führen

Superreichensteuer: Wer mehr fordert, muss besser führen


Die Politik will hohe Einkommen stärker belasten. Doch wer den Bürgern mehr abverlangen will, muss die eigene Arbeit zuerst auf den Prüfstand stellen. Und vor allem dafür sorgen, dass es mehr hohe Einkommen geben kann.

Stellen Sie sich einen Geschäftsführer vor, der seine bestbezahlten Mitarbeiter zusammenruft: „Wir müssen durch eine wirtschaftliche Flaute. Ihr verdient am meisten. Also müsst ihr ab sofort auf einen Teil eures Einkommens verzichten, damit wir die anderen Gehälter finanzieren können.“ Es gibt keinerlei Abwägung von alternativen Lösungen. Auch kein Wort dazu, wo im Unternehmen das Geld sinnlos versickert.

Wer so führt, riskiert, dass seine Leute gehen. Erst innerlich, eines Tages tatsächlich.

Genau dieses Gespräch führt gerade die Bundesregierung mit den Bürgern. Sie plant einen neuen Spitzensteuersatz von 47 Prozent, um kleinere und mittlere Einkommen sowie Familien zu entlasten. Gelten soll er für den Teil des zu versteuernden Einkommens, der im Grundtarif über 280.000 Euro liegt. Finanzminister Lars Klingbeil nennt das „Superreichensteuer“.

Doch Menschen erkennen genau, ob sie mit einer Steuererhöhung bloß ausgleichen sollen, was ihre Führung nicht auf die Reihe bekommt. Mit diesem Blick schaue ich auf das Problem der Führung hinter der Superreichensteuer.

„Starke Schultern müssen tragen“ ist die halbe Wahrheit

Die Begründung für die Superreichensteuer folgt dem bekannten Muster: Starke Schultern müssen tragen.

Dieser Satz stimmt auch. Denn die hohen Einkommen entstehen in einem Land mit Infrastruktur, Rechtsstaat und Bildung, die wir alle gemeinsam bezahlen. Wer viel verdient, gibt mehr in den Topf. Das ist fair.

Doch der Satz ist auch bequem. Denn er schaut nur auf die starken Schultern, die bereits da sind. Gute Führung schaut dagegen auch auf die Schultern, die erst noch stark werden sollen.

Die Wortwahl „superreich“ erweckt außerdem den Eindruck von Privatjet, Luxusvilla und einem Leben ohne finanzielle Sorgen. Wer wollte solchen Menschen nicht noch etwas mehr abverlangen? Doch ein hohes Jahreseinkommen bedeutet noch kein Millionenvermögen.

Welche Botschaft sendet der Ruf nach einer „Superreichensteuer“ für Menschen, die ein Unternehmen aufbauen, beruflich mehr Verantwortung übernehmen oder sich Rücklagen erarbeiten? Welche Anreize setzen wir als Gesellschaft? Welches Signal senden wir an diejenigen, die noch aufsteigen wollen?

Wer eine höhere Steuer fordert, muss sich mit diesen Fragen beschäftigen. Denn der Satz „Starke Schultern müssen tragen“ erklärt noch nicht, warum gerade die zusätzliche Belastung der „starken Schultern“ der richtige Weg sein soll.

Steuern sind keine freiwillige Spende der Bürger, sondern eine Zwangsabgabe, die der Staat festlegt. Gerade deshalb schuldet die Regierung eine sorgfältige Begründung für Steuerabgaben und einen sorgsamen Umgang mit diesen Einnahmen.

Erst sparen. Dann Steuern erhöhen.

Bevor die Politik also höhere Steuern einfordert, will ich wissen: Welchen Spielraum schafft sie selbst, indem sie Ausgaben überprüft, überflüssige Aufgaben streicht und ihre Verwaltung schlanker organisiert? Dass einzelne Bürger mehr bezahlen können, entbindet die Politik nicht davon, zuerst die eigenen Ausgaben auf den Prüfstand zu stellen.

Ob dieser Spielraum für die geplanten Entlastungen reicht, muss die Politik vorrechnen. Aber warum sollen zusätzliche Belastungen der Bürger leichter durchzusetzen sein als Einschnitte in staatliche Ausgaben?

Wer ein Unternehmen führt, kennt die unangenehme Seite dieser Frage. An jedem Budget hängt jemand, der es behalten will. An jedem Projekt ein Verantwortlicher, der seine Arbeit wichtig findet. Wer Prioritäten setzt und Dinge streicht, braucht den Mut, Menschen zu enttäuschen. Führung bedeutet eben nicht, sich überall beliebt zu machen, sondern das Richtige zu tun.

Eine bewilligte Milliarde ist noch kein Ergebnis

Gute Führung misst sich dabei am Ergebnis und nicht nur an Aktivitäten. Wenn also Milliarden für Schulen, Digitalisierung und Infrastruktur bereitgestellt werden, ist das eine Aktivität. Aber wie sieht es mit dem Ergebnis aus?

Sehr ernüchternd. Die Leistungen der getesteten 15-jährigen Jugendlichen sind in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften auf den niedrigsten Stand seit Beginn der PISA-Erhebungen im Jahr 2000 gefallen. Ineffiziente Verwaltungen und langwierige Genehmigungsverfahren führen dazu, dass die Bürokratiekosten für Unternehmen höher sind als notwendig. Im September 2026 lag die Pünktlichkeit im DB-Fernverkehr bei gerade einmal 52,4 Prozent. Das allein beweist noch keine Verschwendung. Aber es verlangt eine Erklärung, was mit dem eingesetzten Geld bis wann besser werden soll.

Und was ändern die Verantwortlichen, wenn die Ergebnisse ausbleiben?

Ich erwarte, dass Verantwortliche erklären, was funktioniert hat, was gescheitert ist und welche Konsequenzen sie daraus ziehen. Wer Fehler eingesteht und korrigiert, kann Vertrauen gewinnen. Doch wer stattdessen die nächste Steuererhöhung fordert und gleichzeitig der Eindruck entsteht, dass das Geld nicht sinnvoll verwendet wird, muss mit Widerspruch rechnen.

Auch Unternehmer haben Lieblingsprojekte

An dieser Stelle könnten Unternehmer zustimmend nicken. Die da oben in Berlin sollen endlich vernünftig wirtschaften. Nur: Wie konsequent sind wir selbst?

  • Welches Projekt läuft im eigenen Unternehmen weiter, weil der Chef es zu seiner Herzensangelegenheit erklärt hat?

  • Welche Besprechung findet seit Jahren statt, obwohl kaum jemand sagen kann, was sie bringt?

  • Welche Führungskraft drückt sich seit Monaten vor einem klaren Mitarbeitergespräch über schlechte Leistung, während die zuverlässigen Mitarbeiter die Folgen ausbügeln müssen?

Es ist einfach, vom Staat eine Disziplin zu verlangen, die wir im eigenen Unternehmen nicht an den Tag legen. Wer mehr fordert, muss sich zuerst an die eigene Verantwortung erinnern lassen. Auch dann, wenn auf seiner Visitenkarte Geschäftsführer steht.

Der Sozialstaat braucht Leistungsträger

Für mich entscheidet nicht der Steuerbescheid darüber, ob jemand ein Leistungsträger ist. Eine Pflegekraft, die Verantwortung für ihre Patienten übernimmt, leistet etwas. Ein Handwerker, der sauber arbeitet und seine Zusagen hält, ebenso. Eine Unternehmerin, die Aufträge gewinnt und Arbeitsplätze schafft, auch. Und wer Angehörige pflegt oder Kinder großzieht, übernimmt Verantwortung, die auf keiner Gehaltsabrechnung auftaucht.

Diese Menschen halten unser Land am Laufen.

Gerade deshalb unterstütze ich die Entlastung von Arbeitseinkommen. Menschen müssen mit ihrem Einsatz vorankommen können. Rücklagen bilden. Für das Alter vorsorgen. Sich etwas aufbauen.

Eigenes Vermögen schafft Spielraum, um einen schlechten Job zu verlassen. Einen beruflichen Neustart zu wagen. Eine Durststrecke zu überstehen, ohne sofort auf Hilfe angewiesen zu sein.

Bekennen wir uns also dazu: Wir wollen diese Eigenverantwortung von den Menschen. Dann müssen wir ihnen auch die Freiheit geben, ihren Wohlstand eigenständig aufzubauen.

Wer auf dem Weg in Notlagen gerät und Unterstützung braucht, muss sich auf die Gemeinschaft und den Sozialstaat verlassen können. Dazu brauchen wir genügend Menschen, die Wohlstand schaffen und diese Unterstützung dauerhaft finanzieren können. Mehr starke Schultern also. Ihre Leistungsbereitschaft zu erhalten, gehört zur Verantwortung für den Sozialstaat.

Wir brauchen mehr starke Schultern

Gute Führung in Unternehmen muss Menschen mutiger, stärker und selbstständiger machen. Sie müssen ihre Fähigkeiten entwickeln und Verantwortung übernehmen können.

Diesen Anspruch habe ich auch an unsere politischen Anführer.

Gute Bildung muss jungen Menschen einen Aufstieg ermöglichen. Unternehmen brauchen Bedingungen, unter denen sie investieren und Arbeitsplätze schaffen können. Wer gründen will, darf nicht an Formularen und Zuständigkeiten verzweifeln.

Das ist der Horizont, für den ich mich einsetzen will: Ein Land, in dem mehr Menschen wirtschaftlich auf eigenen Beinen stehen und sich durch eigene Arbeit Wohlstand aufbauen können.

Dafür braucht es ein klares Bekenntnis zu Wachstum. Und Politiker, die auch gegen Widerstand entscheiden, welche Staatsaufgaben Vorrang haben und was wir künftig lassen.

Wer Leistung einfordert, muss sich selbst an Ergebnissen messen lassen.

Wer mehr fordert, muss besser führen.


Mehr dazu?

In meinem Buch “Aufstand der Leistungsträger” widme ich mich dem Thema: Warum wir jetzt mutig unsere Stimme für Freiheit und Wohlstand erheben müssen.

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Der Staat ist keine Vollkasko für freiwillige Risiko-Reisen